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Die Klever Stadtschreiberin

... der Abschied naht

Das erste Semester an der Hochschule Rhein- Waal ist geschafft und damit endet nun auch meine Tätigkeit als „Stadtschreiberin“. Natürlich habe ich viele, vor allem positive Erfahrungen in der letzten Zeit machen können, und es hat mich sehr beeindruckt zu sehen, wie viele Menschen sich für ihre Belange einsetzen, und im Großen wie im Kleinen versuchen, Kleve insgesamt studentenfreundlicher zu machen. Dennoch gibt es bekanntlich immer zwei Seiten der Medaille, und eine gesunde kritische Sicht auf die Dinge sollte man sich hier bewahren.
Am Anfang war ich sehr verwundert, als ich die Zeitung aufgeschlagen und ein Bild von mir gesehen habe, dazu einige Artikel über die Hochschule. Mir war nicht recht bewusst gewesen, dass diese Geschichte doch so groß „aufgemacht“ werden würde, aber im Nachhinein ist mir klar geworden, dass eine ordentliche Portion stolz bei den Organisatoren mitgespielt hat.
Zugegeben, man kann in großem Maße wirklich stolz darauf sein, dass insbesondere die Kreisverwaltung endlich verstanden hat, dass die Idee, in Kleve könne es eine Hochschule geben, nicht länger utopisch ist, sondern dringende Notwendigkeit. 

Erst kürzlich habe ich erfahren, dass der Kreis lange vor Gründung der HRW den Gedanken der Ansiedlung einer Hochschule in Kleve abgelehnt hat. 

Obwohl man ja schon seit längerer Zeit erkannt hatte, dass im Kreis nach der Schule Schluss ist; dass weder durch eine Hochschule, noch durch vergleichbare Institute die Möglichkeit zur Weiterbildung besteht, dass Unternehmen der Region es schwer haben, Mitarbeiter für das mittlere Management zu finden, hat man die Hände in den Schoß gelegt und stets das „Totschlagargument“ der fehlenden finanziellen Mittel eingesetzt.
Als das Wissenschaftsministerium dann den Wettbewerb ausschrieb, schien die Idee offensichtlich doch nicht mehr so „utopisch“ zu sein, und Kleve hätte ohne diesen Wettbewerb vermutlich noch lange auf eine Hochschule warten können. 

Wie auch immer, ob nun Prestigeprojekt oder ehrliche Sorge um die Bildungslandschaft im Kreis, die Ansiedlung der Hochschule ist nun schon lange amtlich und zumindest ein Schritt in die richtige Richtung, nicht nur um Kleve zu einem attraktiven Wirtschaftsstandort zu machen, sondern auch im Interesse der jungen Erwachsenen. 

Trotz der vielen Unannehmlichkeiten, mit denen die Studenten als „Erstis“ im doppelten Sinne zu kämpfen haben, sind die meisten sehr zufrieden mit ihrer Studienwahl und schätzen die ehrlichen Bemühungen, die man unternimmt, um ihre Studiensituation zu verbessern. Man kann daher den Start der Hochschule als besonders erfolgreich bezeichnen. 

Dennoch darf man sich auf den Lorbeeren nicht ausruhen. In Kleve gibt es weiterhin keine Abendschulen, keine Möglichkeit, die Hochschulreife auf dem zweiten Bildungsweg zu erlangen, keine schulpsychologischen Dienste, keine wissenschaftlichen Institute oder Forschungseinrichtungen… Die Liste ließe sich noch um einige Punkte vervollständigen.
In der niederrheinischen Bildungslandschaft müssen sich also noch dringend weitere Veränderungen vollziehen.