Volksbank Kleverland lud zum „Schlossgespräch“ ein

Schlossgespräch Volksbank
Severin-Peter Seidel (Vorstandsmitglied), Frank Ruffing (Vorstandsvorsitzender), Friedrich Merz , Hans Geurts (Aufsichtsratsvorsitzender) [Foto: Maurice Dorren]

Kleve/Bedburg-Hau. Rund 220 Mitglieder und Kunden folgten der Einladung der Volksbank Kleverland eG zu den diesjährigen Museumsführungen und den Schlossgesprächen auf Schloss Moyland.

Der Vorstandsvorsitzende Frank Ruffing begrüßte neben seinen Kunden auch Friedrich Merz, langjähriges Mitglied im deutschen Bundestag und des Europäischen Parlaments, der zum Thema „Europa und die deutschen Stabilitätserwartungen“ referierte.

Herr Merz erklärte, dass das Versprechen einer stabilen Währung gehalten wurde. Die Geldverfassung nach deutschem Vorbild und die EZB nach dem Vorbild der deutschen Bundesbank verfolgen die Geldwertstabilität als erstes Ziel. Ein Ziel welches erreicht wurde, vergleicht man doch die erste Dekade des Euro mit Jahrzehnten der DM. Doch auch Friedrich Merz stellt sich die Frage, ob die Inanspruchnahme der EZB zur Rettung einzelner Länder noch dem vertraglichen Auftrag entspricht. Die bisherigen Maßnahmen waren richtig und haben das Kollabieren einzelner nationaler Haushalte verhindert. Merz stellte heraus, dass es dennoch an etwas fehlt - an geeigneten Kontrollinstrumenten, einer gemeinsamen Wirtschaftspolitik und einer gemeinsamen Haushaltspolitik. So fehlt ein Instrument zur Behebung von fiskalpolitisch unterschiedlichen Auffassungen.

Doch Deutschland geht es im Vergleich sehr gut, was auf vier entscheidende Faktoren zurückzuführen ist:

 

  1. In Deutschland gibt es einen hervorragenden Mix aus Branchen und Unternehmensgrößen.
  2. Die Tarifautonomie. In der Vergangenheit wurde sich im Zweifel für die Erhaltung der Wettbewerbssituation entschieden und gegen vorschnelle Lohnerhöhungen.
  3. Qualifiziertes Management und Beschäftigte stellen sich ihrer Verantwortung.
  4. Die deutschen Regierungen haben in der Vergangenheit die richtigen und zielführenden Entscheidung getroffen.


Heute haben Nationen, die vor der Einführung des Euro mit der Abwertung der Währung ihre wirtschaftlichen Probleme lösten, diese Möglichkeit nicht mehr. So entsteht umso mehr die Notwendigkeit einer gemeinsamen europäischen Wirtschaftspolitik.

Ein Rückschritt ist nach Merz auf Grund des politischen und wirtschaftlichen Interesses nicht möglich. „So haben wir als Deutsche einen großen Beitrag geleistet, haben aber auch enorm profitiert!“, so Friedrich Merz. Ein beherzter Schritt auf den transatlantischen Wirtschaftsraum könnte das Bestehen der Europäer im Wettbewerb nachhaltig und positiv beeinflussen. Zum Schluss bemerkte Merz noch, dass die Europäische Union aus Krisen immer gestärkt hervorgegangen ist und dies nun eine der größten Chancen sein kann.

Hans Geurts, Aufsichtsratsvorsitzender der Volksbank Kleverland, bedankte sich ausdrücklich bei Herrn Merz für den aktuellen und interessanten Vortrag und betonte, in Anbetracht der aktuellen Diskussion um Honorare für Dozenten, dass Herr Merz kein Honorar verlangte.

Musikalisch wurde dieser gelungene Abend von Lena Jahns und Charlotte Kohla mit einer fantastischen Darbietung abgerundet.