Wenn Leichtathleten trödeln

Kranenburg-Nütterden Keine Frage – Marlies Aengenheister hat einen langen Atem. Die 59-Jährige ist, seitdem es in Nütterden Leichtathleten gibt, ständig mit dabei. Zunächst liefen die Nütterdener mehr oder weniger organisiert durch den Wald. Jetzt sind sie ein Verein mit mehr als 400 Mitgliedern.

Grund für den engen Kontakt von Marlies Aengenheister zu den Athleten des Sieben-Quellen-Dorfes ist ihr Mann. Gerd Aengenheister gründete 1979 den Lauftreff, bevor dieser 1982 dem SV Nütterden als Abteilung beitrat und nun seit 21 Jahren als Leichtathletik (LA) Nütterden ein eigenständiger Klub ist.

Wenn Leichtathleten trödeln
RP und Volksbank Kleverland präsentieren die Samstag-Serie: Was einer alleine nicht schafft, das schaffen viele. Heute: Marlies Aengenheister, die sich seit der Gründung des Vereins bei Leichtathletik Nütterden engagiert.

Ausdauer hat Marlies Aengenheister gleich in mehreren Disziplinen bewiesen. So gehört sie immer noch zu den Frauen, die sich regelmäßig durch den Reichswald bewegen. Ohne aufs Tempo zu drücken, dafür aber mit Stöcken. „Einmal in der Woche treffen wir uns zum Nordic Walking“, sagt Marlies Aengenheister. Ebenso beständig wie sie mit der Frauen-Gruppe durch den Wald schreitet, organisiert sie seit mehr als 20 Jahren einen Trödelmarkt, der in Insiderkreisen einen hohen Stellenwert besitzt. So ist einer, der in Nütterden regelmäßig an der Scheibe kratzt, bevor die Türen geöffnet werden, der wahnsinnige Puppenspieler Heinz Bömler aus Viller, der quasi hauptberuflich trödelt. Am morgigen Sonntag, 3. März, von 8 bis 17 Uhr, ist es wieder soweit. In der Nütterdener Grundschule floriert auf mehr als 600 Quadratmetern Fläche das Geschäft mit ausrangierten Gütern. Mehr als 30 Helfer der Leichtathleten sind in die Organisation des Marktes eingebunden. Ein Teil des Erlöses wird für einen caritativen Zweck gespendet, der andere kommt dem Nachwuchs von LA Nütterden zugute. Diesmal soll ein Beitrag für die Anschaffung einer Hochsprungmatte geleistet werden. Denn die besitzt der Verein noch nicht.

Ohnehin sind die Kosten, die auf den Verein in den vergangenen Monaten zukamen, nicht unerheblich. Denn nachdem die Nütterdener Athleten Jahre hartnäckig um eine Anlage kämpften, wurde diese im vergangenen Jahr von der Gemeinde Kranenburg und mit reichlich Eigenleistung des Vereins realisiert. So besitzt Nütterden jetzt eine 400-Meter-Kunststoff-Rundlaufbahn, mit den dazugehörigen Sprung- und Wurfanlagen. Es ist eine Wettkampfarena in dem Dorf entstanden, wie man sie in der Kreisstadt Kleve vergebens sucht.

Gerd Aengenheister war es, der in Sachen Kunststoffbahn einen langen Atem besaß und immer wieder darum kämpfte. 1970 startete im deutschen Sport die Trimm-dich-Bewegung. Ein paar Jahre später liefen auch die ersten Nütterdener durch den Reichswald. Aengenheister war immer mit dabei. Doch irgendwann war den Athleten der Wald nicht mehr genug. „Wir mussten regelmäßig gute Leute zu anderen Vereinen ziehen lassen, weil sie hier keine Möglichkeiten hatten, auf der Bahn zu trainieren“, blickt LA-Vorsitzender Aengenheister auf nicht wenige Talente zurück, die in anderen Klubs reichlich Erfolge feierten und gute Platzierungen auch bei nationalen Titelkämpfen erreichten. Dumm gelaufen für LA Nütterden – doch das Argument schlechte bis gar keine Trainingsmöglichkeiten zieht jetzt für einen Vereinswechsel nicht mehr.

Von den mehr als 400 Mitgliedern trainieren 180 in der Kinder- und Jugend-Abteilung. Die Hochsprunganlage, die mit einem Teil des Erlöses aus dem Trödelmarkt mitfinanziert werden soll, kostet zwischen 8000 und 10 000 Euro. Damit auch dieses Projekt vom Verein gestemmt werden kann, hoffen die Leichtathleten beim morgigen Markt auf besonders viel Laufkundschaft.

Quelle: Rheinische Post – Peter Janssen