Wo das Schützentum Leidenschaft ist

Kleve Im Vereinshaus der Briener und Wardhausener Schützen an der Briener Straße wird einem schnell klar: Das Schützentum ist hier Aushängeschild. Die alten Backsteinwände zieren Urkunden, in Vitrinen stapeln sich die Pokale. „Einheit, Friede, Freiheit“ steht auf einem selbst geschnitzten Holzstück. Man muss nicht lange hier sein, um zu merken, dass die Briener und Wardhausener ihr Schützendasein lieben. „Es ist schön, wenn das Vereinsleben noch so aufrechterhalten wird“, sagt Martina Kohn, Assistentin des Vorstandes bei der Volksbank und Mitglied im Bürgerschützenverein Brienen-Wardhausen.

Begonnen hat alles im Jahr 1920 am Tor zur „Deijbuurswoy“ zu Brienen. In jener Zeit trafen sich dort die Jungens von der Spoy zu ihrem abendlichen Plauderstündchen. Der Treffpunkt kam nicht von ungefähr: Die jungen Männer hatten auch einen Hang zu den Bauernmägden vom Deijbuurshof. Und eines Abends kam der Vorschlag auf, den gemeinsamen Treffen noch einen tieferen Sinn zu geben und einen Schützenverein zu gründen. Die Unternehmung sprach sich im Dorf schnell herum und so kamen zur ersten Versammlung bereits 40 Männer. Vor allem die älteren Mitbürger waren begeistert von der Idee; waren doch viele von ihnen durch ihren Wehrdienst bei der kaiserlichen Garde dem Schießsport verbunden. Am 16. Januar 1921 fand in der Gaststätte Johann Lamers zu Brienen die Gründungsversammlung statt.

Günter Struth schaut sich zufrieden im Vereinshaus um. Seit gut 30 Jahren steht das Gebäude so, wie es ist. Die Bauarbeiten geschahen damals in kompletter Eigenregie. Alle Schützen packten an. „Dann kamen am Samstag die Maurer und am Sonntag die Tischler“, erzählt Struth, erster Vorsitzender. Alle hier sind stolz auf ihr Vereinshaus. „Deswegen kann man es auch mieten, zum Beispiel für Hochzeiten oder Geburtstagsfeiern“, sagt Kassierer Michael Lucas. Weil das alte Kühlhaus energetisch einfach zu teuer wurde, hat die Volksbank zudem 1000 Euro für einen neuen Kühlschrank gesponsert. Jeden Montag wird im Vereinshaus geschossen. Für die älteren Semester gibt es neben dem gewohnten Luftgewehr das Kleinkalibergewehr, die Jüngeren dürfen zum Lasergewehr greifen. Der heutige Schießstand war damals der einzige Teil des Gebäudes, in dem Schützentreffen stattfanden. In dem kleinen Raum wurde dann gefeiert, getrunken und natürlich auch geschossen.

„Die ein oder andere Lampe ging dann auch zu Bruch“, erzählt Günter Struth und lacht. Und wenn man Günter Struth, Michael Lucas, Frank Lamers (2. Vorsitzender) und Martina Kohn fragt, was das Schöne am Schützendasein ist, sprudeln die Antworten. Auf dem Block stehen dann schnell mitgeschrieben Dinge wie „Geselligkeit“, „Vereinsleben“ oder „weil es einfach Spaß macht“. Schön sei auch, dass die Jüngeren ab und an den Geschichten der Älteren lauschen. Solchen wie von Willi van Koeverden, ältestes Mitglied des Vereins (93 Jahre) und von den meisten nur „Onkel Willi“ genannt. „Es sind alle integriert“, freut sich Günter Struth.

Zum 100-jährigen Bestehen in acht Jahren möchte man eine neue Festschrift rausbringen. So langsam müsse man mit der Materialsammlung beginnen, sagt Martina Kohn. 100 Jahre sind nicht mal eben recherchiert. Vielleicht kommen ja auch wieder einige Urkunden dazu.