Michael (15) hat jetzt eine eigene Lyra

RP und Volksbank Kleverland präsentieren die Samstags-Serie: Was einer alleine nicht schafft, das schaffen viele.

Heute: Volksbank-Mitarbeiter Andreas Bongers, der sich ehrenamtlich im Tambourcorps Kehrum engagiert.

Gruppenfoto Tamourcorps Kehrum

Kalkar-Kehrum Es ist ein ausgefallenes Instrument, doch für einen richtigen Tambourcorps ist sie unablässig - die Lyra. Auch im Traditionscorps Kehrum spielt das Glockenspiel eine wichtige Rolle, insgesamt dreimal ist es bereits im 30-Mann-starken Musikzug vertreten. Für Nachwuchsschüler Michael (15) aber noch lange kein Grund, sich nicht auch an dem seltenen Instrument zu versuchen. „Michael wollte unbedingt die Lyra spielen. Das Problem war nur, dass wir kein viertes Instrument mehr hatten“, erzählt Volksbank-Mitarbeiter Andreas Bongers (Leiter Rechnungswesen), der seit 32 Jahren aktiver Musiker im Tambourcorps Kehrum ist. „Dank der großzügigen Unterstützung der Volksbank Kleverland konnten wir nun eine vierte Lyra anschaffen“, sagt Bongers zufrieden.

Die Lyra gehört zur Instrumentengruppe der Metallophone. Wer jetzt nicht auf Anhieb weiß, wie eine Lyra aussieht, kann sich zur Hilfe an die alten Asterix und Obelix Hefte erinnern: Die Lyra ähnelt optisch der Leier, mit der der völlig unmusikalische Barde Troubadix immer abgebildet wird. Im Gegensatz zur Leier hat eine Lyra jedoch keine Saiten, sondern waagerechte Klangplatten aus Metall, die mit einem Hartgummi-, Holz- oder Kunststoff-Schlägel zum Klingen gebracht werden. Seit einem Jahr werden die insgesamt sieben musikalischen Nachwuchstalente im Tambourcorps Kehrum nun schon auf den Instrumenten Querflöte, Lyra und Marschtrommel unterrichtet. Andreas Bongers (45), der selber diverse Musikinstrumente beherrscht, ist für die Notenlehre zuständig. „Das Vereins-Angebot für Jugendliche ist riesig, das sehe ich an meinen beiden eigenen Kindern Niklas (14) und Natalie (16). Wir mussten uns etwas Besonderes überlegen, um wieder junge Menschen in den Tambourcorps zu holen - also haben wir mit dem gratis Unterricht in Notenlehre geworben. Auch Uniform und Instrument bekommen die Schüler vom Verein gestellt“, erzählt Bongers, der schon mit 13 Jahren dem Traditionscorps von 1926 in Kehrum beitrat. „Früher wurde in Tambourcorps nur über Grifftabellen gelernt, das ist inzwischen nicht mehr zeitgemäß.“

Jeden Freitag trifft sich das Corps zum gemeinsamen Proben - alle Lieder müssen sitzen, jetzt da die Schützensaison ihren Höhepunkt erreicht. Der Nachwuchs - Michael (Lyra), Stephan und Paul (Marschtrommel) und Claudia, Emilie, Antonia und Zoé (Querflöte) - sind eine Stunde früher mit dem Unterricht dran. „Bei kleineren Auftritten durften unsere Neuzugänge schon mit, für die ganz großen Schützenumzüge fehlt es noch an Übung“, erläutert Bongers, der im Corps auch die Lyra spielt. Das sei nämlich gar nicht so einfach - auswendig Spielen, geradeaus Laufen, ohne dem Vordermann in die Hacken zu rennen - das will gelernt sein.

Sein langjähriges Engagement für den Tambourcorps Kehrum begründet Bongers wie folgt: „Vor 30 Jahren hat sich auch jemand für mich die Zeit genommen, um mir die Instrumente beizubringen. Jetzt sind wir dran, diesen Einsatz zurückzugeben.“ Der Tambourcorps sei wichtig für das Dorf, er binde die Menschen an Kehrum. „Es ist eine schöne Tradition, die es verdient weiter zu bestehen“, sagt Bongers.

VON SARAH BIERE