Hüpfend und tanzend auf dem Pferd

Gruppenfoto Reitverein van Lützow Emmerich

Vermutlich hätten sich die Kavalleristen der Antike und später des Römischen Reichs gewundert, hätte man ihnen gesagt, dass ihre Fertigkeiten auf dem Pferd einmal als Volkssport avancieren könnten. Eigentlich als Manöverübungen für den Kampfeinsatz auf dem Pferd erfunden, ist das Voltigieren heute in Europa, aber auch vor allem in Deutschland ein beliebter Sport geworden.

Volksbank-Mitarbeiterin Carolin Brüx betreibt den Sport nun seit 13 Jahren. „Ich liebe die Akrobatik in Kombination mit dem Gruppensport“, sagt Carolin. Seit August macht die 19-Jährige eine Ausbildung zur Bankkauffrau bei der Volksbank. Ihrer sportlichen Leidenschaft geht sie beim Voltigierverein Kleve nach.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde beim Reitverein von Lützow Emmerich unter der Leitung von Theodor van Bebber mit dem Voltigieren und Reiten auf Vereinsebene begonnen. Höhepunkte waren 1972 der Gewinn der Deutschen Meisterschaft im Voltigieren und die Teilnahme an der Abschlussfeier der Olympischen Spiele in München. Im Januar 2004 entstand der „Verein für Voltigiersport Kleve e.V.“, deren Pferde heute in der Reithalle Verhorst untergebracht sind. Der Verein hat gut 130 Mitglieder, davon 100 Voltigierer.


Auf ihrem Pferd Felix reitet Carolin Brüx mindestens zweimal in der Woche. Jeden Montag und Freitag hat sie Training. Dabei steht sie mit zwei weiteren Voltigierern auf dem Pferd – dabei machen sie Saltos, heben einander hoch und stellen sich gegenseitig auf die Schultern. Auch einem Laien wird klar, dass nicht jedes Pferd für derartige Rückenmassagen zu haben ist. „Die Pferde müssen schon von Natur aus ziemlich ruhig und im Rücken robust sein“, weiß Carolin Brüx. Doch gerade diese Symbiose von Mensch und Tier gefällt der 19-Jährigen. „Geht es dem Pferd schlecht, kannst du nicht trainieren“, sagt sie. Beide, Mensch und Tier, müssen beim Voltigieren gut zusammenarbeiten. Ist das Pferd aber gut trainiert, kommt es selten zu Problemen. Natürlich sei Voltigieren kein ungefährlicher Sport, sagt Carolin. Als sie einmal eine Übung abbrechen musste, sprang sie vom Pferd und zog sich beim Aufkommen einen Bänderriss zu. Doch sie lächelt über das Erlebnis hinweg. Wie die meisten passionierten Sportler sagt sie kurz: „Gehört dazu“.

Anders als in den meisten Sportarten werden beim Voltigieren die Gruppen nicht in Alters-, sondern in Niveauklassen eingestuft. Daher führen auch mal 19-, 12- und 28-Jährige zusammen eine Kür auf. Carolin voltigiert im Verein in der zweithöchsten Spielklasse. Auch an den Deutschen Meisterschaften hat sie mit ihren Mit-Voltigierern teilgenommen. In Zukunft möchte der Verein auch weiter den nationalen Anschluss finden. Doch dafür braucht es erst einmal eine neue Reithalle, denn die alte muss einem neuen Wohngebiet weichen. Gegenüber der Reithalle des Reitvereins Seydlitz hat man auch direkt die passende Fläche gefunden. Es fehlt nur noch der Kredit von der Bank. Auch die Volksbank sponsert die neue Halle. Für die neue Fläche haben die Vereinsmitglieder auch schon gemeinsam angepackt und Bäume und Sträucher vor Ort beseitigt. Die Rodung musste bis Ende Februar wegen der Naturschutzbundauflagen abgeschlossen sein. „Wir versuchen vieles in Eigenregie zu machen“, sagt Carolin. Eben ganz getreu dem Motto: Was einer alleine nicht schafft, das schaffen viele zusammen.