Wir lernen immer mit den Kindern

Gruppenfoto Montessori-Kinderhaus in Kellen

Vor der Werkhütte hat sich eine große Pfütze gebildet, die in den Augen der Kinder bereits die Neugier weckt. „Ihr geht herum, nicht reinspringen“, sagt Ruth Sonnenberg-Reuter. Sie muss schon ein bisschen energische argumentieren, denn die Pfütze sieht doch so verlockend aus. Doch alle kommen trocken in der Werkhütte an.

Seit Anfang der Sommerferien besitzt das Montessori-Kinderhaus in Kellen eine eigene kleine Werkhütte. An der Wand hängen schön säuberlich Hammer in verschiedenen Größen, Handbohrer, Zollstöcke und jede Menge Nägel. Denn das Hämmern ist für die Kleinen mit das Spannendste – „alles wird festgenagelt“, sagt Sonnenberg-Reuter, Leiterin des Montessori-Kinderhauses.

Das Kinderhaus betreut derzeit 43 Kinder, auch die beiden Söhne von Heike Liebeton besuchen das Kinderhaus. Nicht nur, weil die Abteilungsleiterin Vertriebssteuerung und Marketing bei der Volksbank gleichzeitig auch Geschäftsführerin im Kinderhaus ist, sondern weil sie von dem Konzept einfach überzeugt ist. „Es ist so schön zu sehen, wie die Kinder selbst die Welt erkunden und verstehen lernen“, sagt Liebeton. Und Ruth Sonnenberg-Reuter weiß: „Wir lernen immer mit den Kindern.“ Das Prinzip der Montessori-Pädagogik (benannt nach der Ärztin und Pädagogin Maria Montessori, 1870-1952) stellt die Individualität der Kinder in den Mittelpunkt. Selbstständiges Handeln ist der Schlüssel. Getreu dem Motto: „Hilf? mir, es selbst zu tun“. Da kam eine neue Werkhütte also gerade recht. „Wir sind wirklich dankbar für das Sponsoring der Volksbank“, freut sich Ruth Sonnenberg-Reuter.

Die Volksbank spendete zwar das nötige Kleingeld, doch die Elterninitiative des Kinderhauses ließ es sich dabei nicht nehmen, die Werkhütte in Eigenregie aufzubauen. „Hier waren dann auch mal die starken Väter gefragt“, sagt Sonnenberg-Reuter und lacht. Auch die Werkzeuge trugen die Eltern zusammen. Die Elterninitiative ist ein Zusammenschluss von an der Montessori-Pädagogik interessierten Eltern. Der Verein wurde im 1983 gegründet. So übernehmen die Eltern Verantwortung im Elternrat, Vorstand und bei der Haus- und Gartenpflege.
Und wie fällt das Resümee der Kinder zur neuen Werkhütte aus? „Sie sind hell auf begeistert“, sagt Sonnenberg-Reuter. Das merke man vor allem an der Begeisterung der Kinder neue Kunstwerke zuschaffen. Bisher dürfen auch bereits zwei Kinder eigenständig in der Werkhütte arbeiten. Bei den anderen ist noch eine wachende Hand erforderlich.

Mit den derzeit 43 Kindern ist das Kinderhaus ausgelastet. 44 sind das Maximum. „Es ist schade, dass wir nicht noch mehr aufnehmen können“, sagt die Leiterin. Die Wartelisten seien jetzt schon lang. Bevorzugt würden erst einmal Geschwisterkinder. In der Montessori-Pädagogik umfasst das Kinderhaus die Lebensjahre 3 bis 6. Seit August 2008 ist das Kinderhaus zudem im Rahmen eines Pilotprojektes in NRW ein Familienzentrum.