Schüler lösen Konflikte ohne Gewalt

Rindern In einem Kreis stehen die Schüler der 2a in der Turnhalle der Johanna-Sebus-Schule zusammen. Ihrem imaginären Gegenüber strecken sie eine Handfläche entgegen und rufen laut: „Stopp, ich will das nicht.“ Jan Spicher ist zufrieden. Der 32-Jährige kommt von Verein „Gewaltfrei lernen“ in Köln, und sein Job ist es, Schülern beizubringen, Konflikte so zu lösen, dass sie nicht in verbale oder physische Gewalt eskalieren. In der Rinderner Grundschule war der Sportwissenschaftler vor zwei Jahren. Dass dort noch einmal Schüler bei ihm ihre sozialen Kompetenzen stärkten, ermöglichte eine Spende von der Volksbank Kleverland zusammen mit
dem Dachdeckerbetrieb von Eric Jansen. Das Geld überreichten der Dachdecker und Marc Wiederuh, Bereichsleiter für das Firmenkundengeschäft bei der Volksbank.

2012 hatten alle Schüler an dem bundesweiten Projekt teilgenommen, dieses Mal waren die ersten und zweiten Klassen dran. Schulleiterin Martina Spicher ist von dem Konzept begeistert. „Das ist soziales Lernen“, sagte sie. „Jeder muss mit jedem klarkommen müssen und spielen lernen.“ Außerdem würde den Schülern vermittelt, wie sie alleine untereinander mit kleinen Streitigkeiten und Rempeleien umgehen sollten. Gerade dabei sei es die Wahrnehmung, die bei Kindern
thematisiert werden müsste, meinte Projekt-Leiter Jan Spicher. „Wenn einen jemand anrempelt, ist das nicht immer Absicht.“

Stark werden, ohne dass der Streit größer wird - das ist das Ziel bei „Gewaltfrei lernen“. Dazu gehört, Stopp zu sagen, Dinge anzusprechen, die einem nicht gefallen: „Kneif mich nicht!“ oder „Das ist mir zu fest!“ etwa. Erst wenn diese verbale Gegenwehr nicht beachtet wird, dürfen die Schüler auch ihren Körper einsetzen. Jan Spicher bringt ihnen bei, sich mit einer einzigen Bewegung loszumachen, wenn sie festgehalten werden - um dann wieder miteinander zu sprechen. „Kinder können sich auch schnell wieder vertragen“, sagte der 32-Jährige. Schlimm würden Konflikte meist erst dadurch, dass sich die Eltern einmischen - oder mit dem Alter. „Ich besuche auch weiterführende Schulen“, sagte Jan Spicher. Dort gehe es um Mobbing und Ausgrenzung. „Teils echt heftig.“ In der Grundschule beschäftigten sich die Schüler eher mit kleineren Reibereien wie harmlosen Beleidigungen, Spiele bewusst zu stören oder Dinge wegzunehmen. Geraten sie in solchen Konfliktsituationen, wissen sie nun, wie sie Beschimpfungen an sich abprallen lassen, anderen beistehen, sich entschuldigen können.

Vier Tage war der Sportwissenschaftler in der vergangenen Woche in der Grundschule. Zuvor besprach er das Projekt bei einem Informationsabend mit den Eltern der Schüler. Bei den Übungen band er die Lehrer ein. „Unser Kollegium will das Erlernte später regelmäßig auffrischen und es beispielsweise nach langen Ferien wiederholen“, sagte Ramona Timmer, Lehrerin der 2a. Schulleiterin Martina Spicher fügte hinzu: „Sonst verfällt man schnell wieder in alte Muster.“ Die Volksbank Kleverland hatte die Grundschule bereits vor zwei Jahren bei der finanziellen  Durchführung von „Gewaltfrei lernen“ unterstützt. Dachdecker Eric Jansenwurde durch seinen Sohn, der die Johanna-Sebus-Schule damals besuchte, auf das Projekt aufmerksam. „Er hat sehr freudig davon erzählt und die Übungen, die er gelernt hatte, zuhause fleißig nachgestellt“, sagte er. Diesmal bekam seine Tochter, die in der ersten Klasse ist, die Tricks und Kniffe für einen gewaltfreien Umgang beigebracht. „Jetzt üben beide Kinder nach der Schule zusammen.“ Sollte die Grundschule das Projekt in zwei Jahren erneut durchführen wollen, „könnte ich mir vorstellen, wieder finanziell einzuspringen“, sagt Eric Jansen.