Firmenchefs sind verhalten optimistisch

Bei der Zukunftswerkstatt der Rheinischen Post und der Volksbank Kleverland wagten Unternehmen, Verbände und Arbeitsagentur einen Ausblick aufs neue Jahr. Die Firmen Spectro und KHS investieren in Gebäude und Personal.

Diese Teilnehmer der Zukunftswerkstatt tauschten sich über ihre Erwartungen für das Jahr 2015 aus. RP-Foto: Klaus-Dieter Stade

Kleve Im vergangenen Jahr verzeichneten viele Unternehmen im Kleverland einen Aufschwung. Die Rheinische Post und die Volksbank Kleverland hatten nun Vertreter von Firmen, Verbänden und der Arbeitsagentur eingeladen, um die Frage zu diskutieren, ob die positive Entwicklung in diesem Jahr anhalten wird.

Barbara Ossyra, die Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Wesel, sieht eine wichtige Aufgabe darin, Schulabgängern die Vorzüge einer dualen Ausbildung zu verdeutlichen. „Die ist wichtig für
unsere Region“, sagte Ossyra. Erfreulich sei, dass die Arbeitslosenquote derzeit niedriger als noch vor fünf Jahren sei. Manfred Bergsch, der Geschäftsführer der Spectro Analytical Instruments
GmbH, kündigte an, dass seine Firma in diesem Jahr fünf neue Produkte entwickeln möchte. „Das können wir mit dem bestehenden Personal in Kleve schaffen. Allerdings werden wir 20 Mitarbeiter für den Vertrieb in den USA einstellen“, sagte Bergsch. In Kleve werde Spectro kein zusätzliches Personal einstellen, allerdings Ruheständler ersetzen. Auch einen Wunsch an die Bundes- beziehungsweise Landespolitik formulierte Bergsch: „Wir müssen Bürokratie abbauen. Unsere Firma muss überprüfen, ob unsere Lieferanten den Mindestlohn einhalten. Wir werden zur Polizei gemacht. Das ist nicht richtig.“

Clemens Hannen , stellvertretender Werksleiter der Firma KHS/Kisters, berichtete, dass sein Unternehmen seit zwei Jahren wachse. „Wir investieren intensiv in Ausbildung und können nicht nur Höchstqualifizierte und Jahrgangsbeste gebrauchen“, sagte Hannen. Er kündigte an, dass KHS den Kleve Standort in diesem Jahr innerhalb der bestehenden Fläche ausbauen wolle.

Dr. Stefan Dietzfelbinger, Hauptgeschäftsführer der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer (IHK), schätzt die Erwartungshaltung der Firmen im Kleverland als „verhalten optimistisch“ein. „Die Unternehmer sind verunsichert über die Entwicklung auf dem Weltmarkt. Bei der Beschäftigung ist nicht mehr Zuwachs zu erwarten“, sagte Dietzfelbinger. Achim Zirwes, der
Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Kleve, teilte die Einschätzung des IHK-Chefs. „Für unsere heimischen Handwerker ist es sehr schwierig, an Jobs von öffentlichen Auftraggebern in den
Niederlanden zu kommen. Aufträge von niederländischen Privatleuten gibt es dagegen oft“, berichtete Zirwes.

Kleves Wirtschaftsförderer Dr. Joachim Rasch hat allen Grund zur Freude: „Sie sehen mich mit einem breiten Grinsen. Wir haben unheimlich viele Gewerbeflächen verkauft. Die Hochschule Rhein-Waal ist der Motor einer wirtschaftlich guten Entwicklung in Kleve. „In unseren Unternehmen verspüre ich eine Aufbruchstimmung“, betonte Rasch. Prof. Dr. Peter Scholz, Vizepräsident für Forschung und Entwicklung an der Hochschule Rhein-Waal, bremste die Erwartungen an die Hochschule: „Wir sind zwar eine Tauschbörse für Ideen und Anregungen. Aber ein Motor werden wir nicht mehr in dem Maße wie zuvor sein können.“ Freddy Heinzel, Honorarkonsul der Niederlande und Vorsitzender des Niederländisch-Deutschen Businessclubs, rechnet mit einem Aufschwung der niederländischen Wirtschaft und positiven Auswirkungen auf das Grenzgebiet: „Die Niederländer haben sich noch nie so stark in Richtung Deutschland orientiert wie in den Jahren 2014 und 2015. Sie haben verstanden, dass man sich um gute Nachbarschaft kümmern muss.“

Dr. Andreas Henseler , Zweigstellenleiter der IHK in Kleve, forderte mehr Investitionen in die Infrastruktur im Kreis Kleve. „Die Verkehrsanbindung von Rees nach Uedem oder von Kleve nach
Goch könnte verbessert werden“, sagte Henseler.